Xen? WTF?

Mit Hilfe von virtuellen Maschinen können wir verschiedene Dienste (HTTP, Datenbank, Mail, BIND etc.) getrennt von einander fahren bzw. Server für verschiedene User/Anwendungsbereiche auf einem Host verwenden, ohne dass die jeweiligen VMs einander sehen. Ist der eine Webserver beispielsweise kompromitiert, laufen Email, Datenbanken etc. weiter, ohne von der Attacke betroffen zu sein. Außerdem fällt die Wartung leichter. Und zum Testen unterschiedlichster Software (Entwicklungsserver unter sid, Production unter sarge etc.) bzw. zum parallelen Betrieb unterschiedlicher Distributionen (wer will das schon? *g*) bzw. unterschiedlicher Betriebssyteme (Debian GNU/Linux neben Debian GNU/kFreeBSD oder sogar Debian GNU/Hurd) ist das ganze überhaupt supi!

Xen steht unter der GPL und wird hauptsächlich an der University of Cambridge entwickelt. Für weitere Infos siehe http://wiki.debian.org/Xen sowie http://linuxwiki.de/Xen oder andere Howtos. ;-)

Falls dein System nicht auf Debian basieren sollte (wie kann denn das sein? *fg*), findest du hier eine Liste weiterer Howtos:

Xen and friends...

Während Linux-VServer am Kernel ABI virtualisiert und somit keine Guest-Kernels, sondern nur Guest-Environments benötigt, wird bei Xen - wie auch bei UML (User Mode Linux) - die ganze Maschine virtualisiert und ein Guest-Kernel verwendet, d.h. die Virtualisierung findet auf einer anderen Ebene statt.

Der Hauptunterschied zu UML (User Mode Linux) wiederum besteht darin, dass Xen einen eigenen Mikrokernel, den so genannten Hypervisor, verwendet und die Guest-VM somit nicht einfach als ein Prozess des Linux Makrokernels, sondern als Hypervisor-Partition läuft. (Danke an ["Bertl"] für die Aufklärung! :-) )

Host (dom0)

Nachdem Xen 3.0 sich noch im Entwicklungsstadium befindet und regelmäßig verbessert wird, haben wir beim Test am DebiennaTreff darauf verzichtet, ein Debian-Paket zu verwenden, sondern bauten uns Xen stattdessen from Source. Für diejenigen, denen das (zumindest für den Anfang) zu stressig ist, gibt es aber auch eine kurze Beschreibung zum Installieren über dpkg/apt.

Debian

Es gibt die unterschiedlichsten Repositorys, von denen du Xen für Debian GNU/Linux beziehen kannst. Seit einiger Zeit gibt es auch ein Debian Xen Team und Xen ist in sid/unstable. Solltest du ein Produktionssystem fahren, benötigst du einen Backport (s. http://www.backports.org/) oder einen inoffiziellen Build, z.B. von Ralph Passgang. Eine genauere Auflistung findet sich hier: http://wiki.xensource.com/xenwiki/DebianPackageMaintenance

Nachdem die richtigen Quellen in /etc/apt/sources eingetragen sind und die Paketlisten mit 'apt-get update' bzw. 'aptitude update' auf den aktuellen Stand gebracht wurden (s. http://www.debian-administration.org/articles/320), können wir Xen schon installieren.

In manchen Paketen findet sich das Skript 'update-grub-xen', welches die korrekten Entries für den Bootloader in /boot/grub/menu.lst schreibt. Wo dies nicht der Fall ist, muss dieser Schritt händisch durchgeführt werden (siehe weiter unten).

Um bei einem 2.6er Kernel eine bessere Leistung zu erzielen, müssen wir unter Sarge noch die TLS-Bibliothek (Thread Local Storage) verschieben. Selbiges sollte später auch bei den Gastsystemen unternommen werden.

Dieser Schritt entfällt unter AMD64!

Zuletzt müssen wir noch ein initramfs Image selber generieren. Alternativ gibt es unter http://www.debian-administration.org/articles/396 eine Anleitung für Xen mit mkinitrd. Die althergebrachte InitRamDisk wird jedoch zunehmend von initramfs abgelöst. Weitere Infos hierzu gibt es unter:

Custom

Wir nehmen ein minimales Debian GNU/Linux 3.1 "Sarge", besorgen uns die Xen-Sourcen und kompilieren die Xen-Tools samt Kernel. Die GNU C Library sollte möglichst aktuell sein. Zum Entpacken des Xen-Tarballs benötigen wir gzip, für den Kernel bzip2 und zum Holen benötigen wir das Paket bittorrent. Der 'Compiler results cacher' ccache beschleunigt das Kompilieren von C/C++ Code, indem bei erneutem Umsetzen dort fortgesetzt wird, wo der Kompiliervorgang zuvor unterbrochen wurde. Zum grafischen Einstellen der Kernel-Settings brauchen wir ncurses-dev. Siehe auch:

Um ccache im Pfad zu haben, müssen wir noch einen kleinen Hack machen. Folgendes gilt für die GNU Bourne Shell - äquivalent für Z Shell et.al.

Nun holen wir uns Xen. Den aktuellen BitTorrent-Link bekommen wir unter: http://www.xensource.com/xen/downloads/dl_x30tarball_bt.html

Anschließend entpacken wir den Tarball. Prinzipiell kann das alles als User erfolgen.

Bevor wir Xen kompilieren, öffnen wir auf einer zweiten virtuellen Kosole, einem zweiten Terminalfenster oder am besten in GNU Screen ccache. Falls der Compile-Vorgang unterbrochen wird, sollte bei einem zweiten Versuch unter 'cache hit' 1 statt 0 stehen.

Nachdem wir uns nun ein paar Tassen Kaffee oder mehrere Chips-Packerl gegönnt haben und unser Prozessor warmgelaufen ist, haben wir den längsten Teil hinter uns. Nun müssen wir noch einen Linux-Kernel für Xen bauen. Xen selbst bootet erst einen Mikrokernel, der in Folge den Linux-Betriebssystemkern aufruft.

KlausIta empfiehlt, sicherzustellen, ob alle benötigten Module aktiviert sind und ext3fs-Unterstützung (rootfs) fix in den Kernel zu integrieren. Außerdem sollten SATA bzw. SCSI aktiviert werden, falls benötigt. Für weitere Hilfe zum Kernel Bauen mit make-kpkg, sprich "The Debian Way", könnten die unteren Abschnitte des folgenden Dokuments hilfreich sein.

Im Folgenden können wir Xen installieren ...

Nun haben wir den Xen Hypervisor, einen Kernel und die Xen-Tools. Zuletzt müssen wir die Xen-Dienste registrieren und einen Boot-Eintrag in GRUB, dem GNU Grand Unified Bootloader, vornehmen. Solltest du keine eigene /boot-Partition haben, bitte unbedingt die Pfade anpassen. Außerdem sollten gegebenfalls root= und die Dateinamen an das eigene System angepasst werden. Sollte das alles Neuland für dich sein, siehe hier für weiterführende Links: http://wiki.debian.org/GRUB

Konfiguration

Wir können die dom0 nun rebooten und Xen starten. Nicht vergessen, unter GRUB den richtigen Eintrag auszuwählen! ;-)

Folgende kleine Eingriffe müssen eventuell vorgenommen werden:

Weitere Infos zu Debian und network-bridge:

Wir können nun den Xen-Domänendienst starten. Eventuell muss hier noch eine Änderung vorgenommen werden.

Falls bei dir derselbe Fehler auftritt, musst du einfach nur das Verzeichnis anlegen, in das die Datei xendomains geschrieben werden soll.

Anschließend legen wir fest, wo unsere Virtual Machines liegen werden, welche IP unser Server (Gateway) hat, wo der Kernel liegt und dergleichen mehr.

Gast (domU)

VM-Image

Sollte bis jetzt alles erfolgreich gewesen sein, können wir nun testweise ein Gastsystem aufsetzen. In den meisten Howtos wird dazu erst mit dd ein Image erstellt, dann partitioniert und über loop gemountet, und anschließend mit dbootstrap ein System aufgespielt. Dieses Image könnte nun beliebig oft kopiert werden und als Basis für verschiedenste Server u.dergl. verwendet werden.

Optional kann auch mit xen-create-image ein Image erstellt werden. Danach wird der Xen-Dienst gestartet und die Xen-Mashine mit Hilfe von xm erstellt.

Einfacher als das manuelle Erstellen einer VM kann es sein, ein bestehendes System zu übernehmen: Entweder mittels dd in ein Image schreiben, oder ein bestehendes Logical Volume einer Linux LVM in Xen einbinden. Das ganze muss nur noch in die Konfigurationsdatei eingetragen werden und schon kann's losgehen!

LVM

Sollte der Einsatz von Logical Volumes erwünscht aber LVM noch nicht eingerichtet sein, musst du folgendes machen: LVM Partition anlegen (mit cfdisk, gparted o.ä.), LVM 2 Tools installieren, Volume Group anlegen, Logical Volumes anlegen und formatieren. Zum Verwalten von LVMs kann alternativ auch evmsn (ncurses) bzw. emvsgui (gtk) verwendet werden.

Überprüfen der Partitionstabelle:

LVM einrichten:

Sonstiges

Damit eine Xen VM beim Hochfahren des Hosts automatisch gestartet wird, muss ein Link in /etc/xen/auto/ erstellt werden.

Um die laufenden VMs anzuzigen, gibt es den befehl 'xm list'.

Mit 'xm console <ID>' gelangen wir auf die Konsole der jeweiligen VM.

Weitere Tipps folgen (hoffentlich) mit der Zeit.

Siehe auch


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DebianWiki: XenVirtualisierung (last edited 2009-08-28 17:52:05 by GerfriedFuchs)